Messstellenbetrieb

Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende 

Am 04. November 2015 hat das Bundeskabinett den vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vorgelegten Regierungsentwurf für ein Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende beschlossen. Das Gesetz wurde am 01. September 2016 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und ist damit am 02. September 2016 in Kraft getreten. Als sogenanntes Artikelgesetz enthält es eine Reihe von Änderungen bestehender Gesetze und Verordnungen.

 Messstellenbetrieb

Wesentlicher Bestandteil des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende ist der Artikel 1 mit dem Gesetz über den Messstellenbetrieb und die Datenkommunikation in intelligenten Energienetzen (Messstellenbetriebsgesetz – MsbG).

Das MsbG trifft Regelungen

  • zur Ausstattung von Messstellen mit modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen
  • zur Ausgestaltung des Messstellenbetriebes und zur freien Wahl des Messstellenbetreibers (MSB)
  • zur Aufgabentrennung von Messstellenbetrieb und Netzbetrieb
  • zu technischen Mindestanforderungen an den Einsatz von intelligenten Messsystemen
  • zur energiewirtschaftlichen Datenkommunikation und zur allgemeinen Datenkommunikation mit Smart-Meter-Gateways
  • und zur Erhebung, Verarbeitung und Nutzung von Messwerten und weiteren personenbezogenen Daten. 

Das MsbG definiert die Rolle des grundzuständigen Messstellenbetreibers. Die Bonn-Netz GmbH hat die Wahrnehmung der Grundzuständigkeit für intelligente Messsysteme und moderne Messeinrichtungen der Bundesnetzagentur angezeigt.

Umfang der Verpflichtung zur Ausstattung von Messstellen mit intelligenten Messsystemen und modernen Messeinrichtungen 

Die Bonn-Netz GmbH hat in ihrer Rolle als grundzuständiger Messstellenbetreiber Messstellen an ortsfesten Zählpunkten (Messlokationen) mit intelligenten Messsystemen auszustatten. Die Einbauverpflichtung ist bei Verbrauchern vom Stromjahresverbrauch und bei Betreibern von Erzeugungsanlagen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) oder dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) von der installierten Leistung abhängig.

Das MsbG sieht folgende Staffelung für den Einbau intelligenter Messsysteme oder moderner Messeinrichtungen vor:

Ab 2017

- Verbraucher, deren jährlicher durchschnittlicher Stromverbrauch über 10.000 bis 100.000 kWh liegt.

- Einspeiser, deren installierte Einspeiseleistung über 7 kW bis 100 kW liegt.

- Verbrauchseinrichtungen nach §14a EnWG.

Ab 2020:

- Verbraucher, deren jährlicher durchschnittlicher Strombedarf über 6.000 kWh bis 10.000 kWh liegt.

- Einspeiser, deren installierte Einspeiseleistung über 100 kW liegt.

Bei Verbrauchergruppen, deren durchschnittlicher Jahresverbrauch bis zu 6.000 kWh oder bei Einspeisern, deren installierte Erzeugungsleistung nicht mehr als 7 kW beträgt, werden die bisherigen Stromzähler bis spätestens 2032 durch eine moderne Messeinrichtung ausgetauscht.

Nach aktuellem Stand sind folgende Mengen im Verteilnetzgebiet der Bonn-Netz GmbH von der Verpflichtung betroffen:

  • Verpflichtender Einbau moderner Messeinrichtungen:            ca. 194.000
  • Verpflichtender Einbau intelligenter Messsysteme:                 ca.   19.000

 Auszug § 2 MsbG "Begriffsbestimmungen"

Intelligentes Messsystem:

eine über ein Smart-Meter-Gateway in ein Kommunikationsnetz eingebundene moderne Messeinrichtung zur Erfassung elektrischer Energie, das den tatsächlichen Energieverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegelt und den besonderen Anforderungen nach den §§ 21 und 22 genügt, die zur Gewährleistung des Datenschutzes, der Datensicherheit und Interoperabilität in Schutzprofilen und Technischen Richtlinien festgelegt werden können

Moderne Messeinrichtung:

eine Messeinrichtung, die den tatsächlichen Elektrizitätsverbrauch und die tatsächliche Nutzungszeit widerspiegelt und über ein Smart-Meter-Gateway sicher in ein Kommunikationsnetz eingebunden werden kann

Standardleistungen des Messstellenbetriebs nach § 35 Abs. 1 MsbG 

Zur Ausstattung der Messstellen nach den §§ 29 bis 32 gehört als Standardleistung die Durchführung des Messstellenbetriebs im nach § 3 erforderlichen Umfang. Bei der Ausstattung von Messstellen mit intelligenten Messsystemen umfasst die Durchführung insbesondere

1. die in § 60 benannten Prozesse einschließlich der Plausibilisierung und Ersatzwertbildung im Smart-Meter-Gateway und die standardmäßig erforderliche Datenkommunikation sowie

2. bei Letztverbrauchern mit einem Jahresstromverbrauch von höchstens 10 000 Kilowattstunden, soweit es der variable Stromtarif im Sinne von § 40 Absatz 5 des Energiewirtschaftsgesetzes erfordert, maximal die tägliche Bereitstellung von Zählerstandsgängen des Vortages gegenüber dem Energielieferanten und dem Netzbetreiber sowie

3. die Übermittlung der nach § 61 erforderlichen Informationen an eine lokale Anzeigeeinheit oder über eine Anwendung in einem Online-Portal, welches einen geschützten individuellen Zugang ermöglicht sowie

4. die Bereitstellung der Informationen über das Potenzial intelligenter Messsysteme im Hinblick auf die Handhabung der Ablesung und die Überwachung des Energieverbrauchs sowie eine Softwarelösung, die Anwendungsinformationen zum intelligenten Messsystem, zu Stromsparhinweisen und -anwendungen nach dem Stand von Wissenschaft und Technik enthält, Ausstattungsmerkmale und Beispielanwendungen beschreibt und Anleitungen zur Befolgung gibt sowie

5. in den Fällen des § 31 Absatz 1 Nummer 5, Absatz 2 und 3 Satz 2 das Bereithalten einer Kommunikationslösung, mit der bis zu zweimal am Tag eine Änderung des Schaltprofils sowie einmal täglich die Übermittlung eines Netzzustandsdatums herbeigeführt werden kann,

6. in den Fällen des § 40 und unter den dort genannten Voraussetzungen die Anbindung von Erzeugungsanlagen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz oder dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und die Anbindung von Messeinrichtungen für Gas und

7. die Erfüllung weiterer sich aus den Festlegungen der Bundesnetzagentur nach den §§ 47 und 75 ergebender Pflichten, insbesondere zu Geschäftsprozessen, Datenformaten, Abrechnungsprozessen, Verträgen oder zur Bilanzierung.

Zusatzleistungen des Messstellenbetriebes nach § 35 Abs. 2 MsbG 

Zusatzleistungen sind Leistungen, die über die Standardleistungen aus § 35 Abs.1 hinausgehen. Die Bonn-Netz GmbH bietet zunächst folgende Zusatzleistungen an:

  • Sonderablesung auf Wunsch
  • Wandler in Mittelspannung
  • Wandler in Niederspannung
  • Konventionelles Schaltgerät

 Informationspflichten des grundzuständigen Messstellenbetreibers (§ 37 MsbG)

(1) Grundzuständige Messstellenbetreiber haben spätestens sechs Monate vor dem Beginn des Rollouts Informationen über den Umfang ihrer Verpflichtungen aus § 29, über ihre Standardleistungen nach § 35 Absatz 1 und über mögliche Zusatzleistungen im Sinne von § 35 Absatz 2 zu veröffentlichen. Die Veröffentlichung hat auch Preisblätter mit jährlichen Preisangaben für mindestens drei Jahre zu beinhalten.

(2) Spätestens drei Monate vor der Ausstattung der Messstelle sind die betroffenen Anschlussnutzer, Anschlussnehmer, Anlagenbetreiber und Messstellenbetreiber zu informieren und auf die Möglichkeit zur freien Wahl eines Messstellenbetreibers nach den §§ 5 und 6 hinzuweisen.

 Entgelte

Die Entgelte für den Messstellenbetrieb von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen sowie für die angebotenen Zusatzleistungen können dem veröffentlichten Preisblatt entnommen werden.

 Messstellenverträge

Das Messstellenvertragsmuster (Anschlussnutzer) und das Muster der Abrechnungsvereinbarung mit Lieferanten sind veröffentlicht unter:

 Auswahlrecht des Anschlussnutzers (§ 5 MsbG)

Auf Wunsch des betroffenen Anschlussnutzers kann der Messstellenbetrieb anstelle des grundzuständigen Messstellenbetreibers von einem Dritten durchgeführt werden, wenn durch den Dritten ein einwandfreier Messstellenbetrieb im Sinne des MsbG gewährleistet ist.