"Plug-in"-Solarstromanlagen

Anschluss und Betrieb von normengerechten Niederspannungsstromerzeugungseinrichtungen nach DIN VDE V 0100-551-1,
wie z.B. Mikro-PV-Anlagen („Plug-in“-Solarstromanlagen)

Bitte beachten Sie, dass sich die Norm DIN VDE V 0100-551-1 derzeit in einem Änderungsprozess befindet um technische Regeln für den Anschluss von Erzeugungsanlagen an Steckdosen festzulegen. Die geänderte Norm wird voraussichtlich im Mai 2018 in Kraft treten. Über die dann gültigen Vorschriften und Möglichkeiten informieren wir Sie zeitnah.


Gesetzliche Grundlage laut Energiewirtschaftsgesetz

Laut § 49 Abs. 1 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sind Energieanlagen so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist. Dabei sind vorbehaltlich sonstiger Rechtsvorschriften die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu beachten, hier das Regelwerk des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.

1. Allgemeines zu Mikro-PV-Anlagen (Plug-In-Solaranlagen)

Eine normgerechte Mikro-PV-Anlagen (Plug-In-Solaranlagen) besteht in der üblichen Basisversion aus einem Photovoltaik (PV)-Modul und einem Wechselrichter, sowie einer Stecker (spezielle Energiesteckvorrichtungen).

2. Einspeisung in einen Endstromkreis einer Hausinstallation

Bei Mikro-PV-Anlagen an Steckdosen handelt es sich um (Niederspannungs-)Stromerzeugungseinrichtungen, die ungemessen in die Kundenanlage (Haus- oder Wohnungsinstallation) einspeisen sollen und so den Strombezug aus dem öffentlichen Netz reduzieren. Da die Elektroinstallation in Gebäude jedoch für eine Aufnahme von elektrischer Energie aus dem öffentlichen Netz ausgelegt ist, kann der Betrieb von Mikro-PV-Anlagen an Steckdosen nicht mit dem Einstecken eines elektrischen Verbrauchsgeräts in eine übliche Steckdose verglichen werden.

Aufgrund der Einspeisung hinter den gängigen und verpflichtenden Schutzmechanismen, kann der Stromfluss in die Kundenanlage (Haus- oder Wohnungsinstallation) im Fehlerfall weder durch Sicherungs­automaten noch Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) abgeschaltet werden. Diese Schutzeinrichtungen sind jedoch für die Sicherheit von Personen unabdingbar, sodass von einer ernstzunehmenden Gefahr für die Personensicherheit und elektrische Geräte im Haushalt ausgegangen werden muss, wenn Sicherheitseinrichtungen umgangen werden.

Zukünftig (voraussichtlich ab Mai 2018) wird der Anschluss und Betrieb von Stromerzeugungseinrichtungen wie z.B. Mikro-PV-Anlagen über spezielle Energiesteckvorrichtungen (z. B. nach Vornorm VDE V 0628‐1) unter Berücksichtigung der Anforderungen nach DIN VDE 0100-551 und DIN VDE V 0100-551-1 auch an vorhandene Endstromkreise möglich sein.

Ein Anschluss und Betrieb von Mikro-PV-Anlagen über „vertrauter“ Stecker (z.B. Schuko-Stecker) an einen Endstromkreis wird auch nach der neuen Vornorm DIN VDE V 0100-551-1 (voraussichtlich) nicht zulässig sein. Aus diesem Grund wird derzeit über den Einsatz von speziellen „Einspeisesteckdosen“ diskutiert, die eine Sichere Installation von Mikro-PV-Anlagen ermöglichen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um gewöhnliche Schuko-Stecker. Welche Lösung die ab Mai gültigen Normen vorsehen, ist derzeit nicht bekannt.

Sofern eine spezielle Einspeisesteckdose in die bestehende Hausinstallation integriert wird, weisen wir darauf hin, dass derartige Arbeiten aus Gründen der Sicherheit und der Vermeidung von unzulässigen Rückwirkungen nur durch den Netzbetreiber oder ein in das Installateurverzeichnis eingetragenes Installationsunternehmen durchgeführt werden dürfen (§ 13 Absatz 2 Niederspannungsanschlussverordnung).

3. Einspeisung in einen separat installierten Stromkreis in einer Hausinstallation

Ein Anschluss und Betrieb von Stromerzeugungseinrichtungen z.B. Mikro-PV-Anlagen in der Kundenanlage (Hausinstallation) ist auch zulässig, wenn der Anschluss über einen separat installierten Stromkreis in den Unterverteilungen erfolgt und die Stromerzeugungseinrichtungen fest angeschlossen wird, d.h. nicht über einen Stecker mit der Hausinstallation verbunden wird

4. Anmeldung von Stromerzeugungseinrichtungen, z.B. Mikro-PV-Anlage

Erzeugungsanlagen müssen grundsätzlich beim zuständigen Netzbetreiber angemeldet werden. Dies trifft im Grundsatz auch auf Stromerzeugungseinrichtungen z.B. Mikro-PV-Anlage für die Steckdose (Plug-In-Solaranlagen) zu (§ 19 Absatz 3 Niederspannungsanschlussverordnung). Eine Bagatellgrenze ist in den deutschen Normen und Verordnungen bisher nicht enthalten.

Ob eine EEG/KWK-Vergütung beansprucht wird oder nicht, hat keinen Einfluss auf die Anschlussbedingungen mit der dazugehörigen Pflicht zur Anmeldung der Stromerzeugungseinrichtung beim Netzbetreiber.

Für die Errichtung und den Betrieb der elektrischen Anlagen sind insbesondere die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) einzuhalten. Je nach Anlagengröße ist dabei zu bewerten, ob die Personensicherheit gewährleistet ist, die Anlage einen störenden Einfluss auf andere Verbrauchsgeräte im Haushalt und bei Nachbarn nimmt, sowie ob eine Zähleinrichtung zur Messung der erzeugten Energiemenge durch den Messstellenbetreiber erforderlich ist. Diese Beurteilung darf nur durch eine Elektrofachkraft vorgenommen werden.

Die Bonn-Netz GmbH empfiehlt den ausschließlichen Anschluss von Elektroanlagen und Geräten, die dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und geltende Produktnormen des VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik) einhalten. Dies kann durch einschlägige Prüfungen und Prüfkennzeichen (VDE, GS) nachgewiesen werden.

Die zur Anmeldung erforderlichen Formulare des Netzbetreibers finden Sie unter:

http://www.bonn-netz.de/Einspeisung/Formulare/Formulare.html

Hinweis: In Vorbereitung ist derzeit bei der Bonn-Netz GmbH ein vereinfachtes Verfahren für die Anmeldung von Stromerzeugungseinrichtungen im Parallelbetrieb mit anderen Stromquellen einschließlich einem öffentlichen Stromverteilungsnetz“; z.B. für normgerechte Mikro-PV-Anlagen.

5. Messung (Zähler mit Rücklaufsperre)

Der Betrieb einer Stromerzeugungseinrichtung, wie z.B. Mikro-PV-Anlage und eine damit eventuell verbundenen Stromeinspeisungen in das allgemeine Versorgungsnetz unter Verwendung eines nicht-rücklaufgesperrten Bezugszählers verstößt gegen die Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV), die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und das Steuerrecht. Zudem können durch den Betrieb auch Straftatbestände verwirklicht werden, z.B. Betrug des Anlagenbetreibers nach § 263 des Strafgesetzbuches.

Sollte bei Ihnen noch ein nicht-rücklaufgesperrter Bezugszähler vorhanden sein, dann können Sie beim Messstellenbetreiber den Einbau eines Zählers mit Rücklaufsperre beauftragen.

Bei der Bonn-Netz GmbH als grundzuständiger Messstellenbetreiber (gMSB) wird der Zählerwechsel für Sie kostenfrei durchgeführt.

Beim Messstellenbetrieb durch einen wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB) wenden Sie sich bitte direkt an Ihren gewählten Messstellenbetreiber.

6. Sicherer Betrieb

Ergibt die Prüfung einer Kundenanlage vor oder nach ihrer Inbetriebnahme, dass durch den Anschluss und Betrieb einer Stromerzeugungseinrichtung eine Sicherheitsgefährdung oder erhebliche Störung zu erwarten ist, ist der Netzbetreiber nach Paragraph 15 Absatz 2 NAV dazu berechtigt, den Anschluss zu verweigern oder die Anschlussnutzung zu unterbrechen; bei Gefahr für Leib und Leben ist der Netzbetreiber hierzu verpflichtet.

 

Zusammenfassung: Stromerzeugungseinrichtungen an der Steckdose

  • Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur durch fachkundige Personen durchgeführt werden.

  • Stromerzeugungseinrichtungen wie z.B. Mikro-PV-Anlagen können zukünftig über spezielle Energiesteckvorrichtungen (z. B. nach Vornorm VDE V 0628‐1) unter Berücksichtigung der Anforderungen nach DIN VDE 0100-551 und DIN VDE V 0100-551-1 auch in vorhandene Endstromkreise einspeisen.

  • Die Anmeldung einer Stromerzeugungseinrichtung wie z.B. Mikro-PV-Anlagen erfolgt nach den Vorgaben des zuständigen Netzbetreibers Bonn-Netz GmbH.
    Hinweis: In Vorbereitung ist derzeit bei der Bonn-Netz GmbH ein vereinfachtes Verfahren für die Anmeldung von Stromerzeugungseinrichtungen im Parallelbetrieb mit anderen Stromquellen einschließlich einem öffentlichen Stromverteilungsnetz“; z.B. für normgerechte Plug-In-Solaranlagen.